B+W ND Vario-Filter MRC nano XS-Pro Digital. Sehr speziell

Viele Fotofreunde glauben, ein Vario-Graufilter sei die bequeme, kostensparende Alternative zu mehreren Graufiltern mit jeweils festen Blendenstufen. Dem ist nicht so. Wie überhaupt jedes Vario-Graufilter, ist auch das B+W ND Vario-Filter MRC nano XS-Pro Digital mit seinen +1 bis +5 Blendenstufen eine komplexe Sache — so anspruchsvoll in der Herstellung wie in der Anwendung. Jenen Fotografen, welche die Bequemlichkeit eines "Allwetter"-Graufilters suchen, das man vielleicht sogar ständig auf dem Objektiv belassen kann, sei eher abgeraten. Das B+W ND Vario-Filter MRC nano XS-Pro Digital hilft vor allem bei DSLR-Video-Aufnahmen, trotz wechselnden Umgebungslichts gezielt und konstant diejenige Blendenöffnung zu erhalten, die in der jeweiligen Aufnahmesequenz erforderlich ist. Jetzt bitte nicht verschreckt diese Seite verlassen. Sondern besser das Schlußwort zuerst lesen.


Direkt zur Bestellseite (samt Faktentabelle) B+W ND Vario-Filter MRC nano XS-Pro Digital mit allen Größenangaben. Besonders wichtig, denn bei diesem Filtertyp haben Rück- und Frontgewinde der Fassung unterschiedliche Durchmesser.

 

Wissenwertes. Nicht nur darüber, warum das B+W ND Vario-Filter MRC nano XS-Pro Digital so speziell ist

 

Informativer Lesestoff für Sie: Hier ist die Übersicht sämtlicher Themenseiten, die wir in unserem Online Store für Sie bereithalten.

 

B+W Premium Line. Spitzenklasse

Lobten wir früher die Filter der B+W Premium Line vor allem auch für ihre schlanke Fassung (genannt XS-Pro Digital), so gilt dies heute für die ebenso schlanke Nachfolger-Linie MASTER. Denn nur mit dünner Fassung gelingt eine vignettierungsfreie Filterverwendung sogar an Superweitwinkelobjektiven.

Es gibt eine Ausnahme, die weiterhin in Fassung XS-Pro Digital geliefert wird: Das B+W ND Vario-Filter MRC nano XS-Pro Digital. Dessen Fassung wirkt zwar zunächst einmal überhaupt nicht schlank. Trotzdem ist sie vom schlanken Typ XS-Pro Digital.


B+W ND Vario-Filter. Voll schlank Zwinker

Obwohl für Anwender nicht ersichtlich, ist ein Vario-Graufilter hoher Qualität eine komplexe technische Herausforderung. Daher wäre die normale Drehfassung — wie bei einem B+W Polfilter — ungenügend, um sicherzustellen, daß das B+W ND Vario-Filter MRC nano XS-Pro Digital auch an kurzbrennweitigen Objektiven ohne die unerfreuliche Gefahr von Bildrandabschattung arbeitet.

Also packte Schneider Kreuznach die Drehmechanik des ND Vario-Filters in eine auf den ersten Blick voluminöse, sogenannte überbaute Fassung. Normalerweise sind Front- und Rückgewinde von Filterfassungen gleich groß. Nicht so bei überbauten Fassungen. Ihre Frontgewinde sind größer als die Rückgewinde, die Frontpartien somit deutlich weiter als üblich.

Es handelt sich aber nicht um die schwere, überbaute Weitwinkelfassung EW aus massivem Messing, die — als sie noch hergestellt wurde — vor allem Großbildfotografen zu schätzen wußten. Vielmehr erhielt das B+W ND Vario-Filter MRC nano XS-Pro Digital eine völlig eigenständige, verschlankte Version der überbauten Fassung, obendrein in präziser Leichtbauweise aus Aluminium.

Und damit schließt sich der Kreis, hin zur schmalen Fassung vom Typ XS-Pro Digital. Über die Anschlußmaße der Front- und Rückgewinde sowie über andere Fakten informiert die Tabelle auf der Bestellseite.


Komfort. Bremse

Die oben beschriebene, überbaute Fassung hat allerdings nicht nur Vorteile. Was viele Fotografen gar nicht gern haben: Überbaute Filterfassungen sind größer als die Frontdurchmesser der Objektive. Prompt lassen sich die Streulichtblenden nicht mehr an die Objektive setzen — ein Ausschlußkriterium für nicht wenige Fotografen.

Noch nicht Schluß mit den Unbequemlichkeiten. Es gibt nämlich auch noch den unschönen, sogenannten Kreuzbildeffekt. Je nach Objektivkonstruktion zeigt er sich mehr oder weniger deutlich, bei manchen Objektiven auch gar nicht (bitte nicht uns, sondern die Objektivhersteller fragen!).

Falls er denn auftritt, wird sich dieser Abbildungsfehler bei kürzeren Brennweiten als 35 mm (Vollformat) deutlicher "breitmachen". Das ist der Grund für Schneider, sich gleich vollends auf die sichere Seite zu begeben: Der Hersteller enpfiehlt pauschal, das B+W ND Vario-Filter ncht mit kürzeren Brennweiten als 35 mm (Vollformat) zu verwenden.

Auch bei zu starker Abdunkelung würde der Fehler auftreten. Da das B+W ND Vario aber für die hellste und dunkelste Einstellung je einen Anschlag besitzt (siehe unter der nächsten Absatzüberschrift), kann das ND Vario-Filter bis zur Brennweite 35 mm (Vollformat) bedenkenlos benutzt werden.

Falls der Kreuzbildfehler an Brennweiten kürzer als 35 mm (Vollformat) nicht auffällig wird, kann das B+W ND Vario-Filter natürlich an diesen verwendet werden — und zwar vigenttierungsfrei.


Grenzkontrolle. Mal erfreulich

Der Drehring des B+W ND Vario-Filters MRC nano XS-Pro Digital läßt sich nur in einem kontrollierten Bereich bewegen. Zwei Anschläge setzen ihm Grenzen. Gäbe es sie nicht, könnte man die Filtereinstellung nach beiden Seiten hin überdrehen. Dadurch würden latent vorhandene Abbildungsfehler — wie etwa der störende Kreuzbildeffekt — erst sichtbar.

Schneider hat die Variabilität des B+W ND Vario-Filters aus gutem Grund auf fünf Blendenstufen begrenzt. Denn ab einer sechsten Stufe machen sich bei Vario-Graufiltern (jedoch nicht bei Graufiltern mit festem Blendenwert!) Kreuzbildeffekt und andere Fehler immer deutlicher bemerkbar. Und das nicht nur bei sehr kurzbrennweitigen Objektiven, sondern auch bei Brennweiten über 35 mm (Vollformat).

Befremdlich daher, daß es — gar nicht so billige — Vario-Graufilter mit zehn Blendenstufen gibt. Urteilen Sie selbst über deren Qualität.

Langzeitbelichtung. Verschlußsache

Um Fehlmessungen bei langen Zeiten zu vermeiden, tut man gut daran, optische Sucher von DSLR-Kameras zu verschließen oder wenigstens abzudecken.

Physikalisch bedingt, sind auch leichte Farbabweichungen nicht auszuschließen. Gewöhnlich korrigiert der Kamera-Weißabgleich diese automatisch. Falls doch nicht, ist mit RAW-Formaten im Bildbearbeitungsprogramm natürlich auch ein manueller Abgleich möglich.


Dunkelziffer. Sehr hoch

Hier geht es nicht um eine unbekannte Anzahl von bestimmten Vorkommnissen oder Erscheinungen. Allerdings, um Erscheinungen handelt es sich in gewisser Weise doch: Wie man durch Kombination des B+W ND Vario-Filters mit einem der vier verschiedenen B+W Graufilter mit jeweils festem Blendenwert das Bildergebnis quasi in anderem Licht erscheinen lassen kann. Dadurch wird das B+W ND Vario-Filter noch wesentlich dunkler als es normalerweise mit seinen 5 Blendenstufen möglich ist.

Kurz, die Leistung von 1 bis 5 Blendenstufen des B+W ND Vario-Filters läßt sich auf bis zu 15 Blendenstufen aufpeppen. Die Kombination aus ND Vario MRC nano XS-Pro Digital mit

B+W ND 802 MRC nano MASTER (2 Blenden) ergibt +3 bis +7 Blendenstufen,
B+W ND 803 MRC nano MASTER (3 Blenden) ergibt +4 bis +8 Blendenstufen,
B+W ND 806 MRC nano MASTER (6 Blenden) ergibt +7 bis +11 Blendenstufen,
B+W ND 810 MRC nano MASTER (10 Blenden) ergibt +11 bis +15 Blendenstufen.

Zu unserer Schande müssen wir gestehen, daß nicht wir, sondern ein lieber und freundlich-hartnäckiger Kunde die Idee zu dieser Art von Graufilterkombination hatte. Wir widersprachen ihm. Schließlich hätte doch der Filterhersteller längst darüber informiert, wenn die Kombination problemlos möglich wäre. Pustekuchen! Rücksprache mit dem B+W Produkt-Manager ergab, daß unser Kunde völlig recht hat. Diesem haben wir zu danken, uns zu schämen — und Schneider Kreuznach würden wir am liebsten gegen ein symbolisches Schienbein treten.


Resümee 1. Das Bequeme

Das B+W ND Vario-Filter MRC nano XS-Pro Digital erlaubt stufenlos flexible Lichtkontrolle, ohne Filter wechseln zu müssen. Also sind natürlich auch Zwischenwerte beliebig einstellbar.

Komfortabel auch die hilfreiche Markierungsreihe auf der Fassung, mit der sich die Blendenstufen von +1 bis +5 bestimmen lassen. Zugleich sind die Markierungen eine prima Merkhilfe.

Zwei Drehanschlagspunkte vermeiden Abbildungsfehler zuverlässig. Denn sie verhindern, daß die Einstellung in kritische Bereiche gedreht werden könnte. Und Farben gibt das B+W ND Vario-Filter MRC nano XS-Pro Digital im gesamten Einstellungsbereich konstant wieder.


Resümee 2. Das Unbequeme

Für die technisch anspruchsvolle Aufgabe zwar kleine, im Frontdurchmesser dennoch große Fassung. Zu groß, um Streulichtblenden an die entsprechenden Objektive setzen zu können.

Auch die Original-Objektivdeckel passen nicht aufs ND Vario-Filter. Abhilfe wäre allerdings durch entsprechend größere Deckel möglich, die es im Zubehörhandel für kleines Geld gibt.

An echten Weitwinkelbrennweiten oftmals stark eingeschränkte Nutzung. Denn ausgerechnet dichteste Blendenstufe (+5) und hellste Blendenstufe (+1) dürfen nicht an kürzeren Brennweiten als 35 mm (Vollbild) genutzt werden, sofern die Objektive auch nur latent mit dem Kreuzbildfehler behaftet sind.

 

 

 

Schlußwort. Ausgewogen

Wie oben (unter dem Titelbild zu dieser Seite) erwähnt, ist das B+W ND Vario-Filter MRC nano XS-Pro Digital kein "Allwetter"-Graufilter, das man bequem ständig auf dem Objektiv belassen und uneingeschränkt komfortabel nutzen könnte. Nichts für jederzeit intuitives Fotografieren mit jeder kurzen Brennweite — jedenfalls nicht, ohne zuvor getestet zu haben, ob Abbildungsfehler sichtbar werden. Wer dies allerdings akzeptiert und beim Fotografieren berücksichtigt, dem wird mit dem B+W ND Vario-Filter MRC nano XS-Pro Digital ein Vario-Graufilter (ND) der Spitzenklasse an die Hand gegeben. Schneider Kreuznach hat klug darauf verzichtet, ein Vario-Graufilter (ND) mit marktschreierischen acht oder gar zehn Blendenstufen herzustellen. Und wie man dieses Filter dennoch auf noch höhere Blendenwerte aufpeppt, wird auf dieser Seite im Absatz "Dunkelziffer. Sehr hoch" beschrieben.